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Published on Tuesday, April 30, 2013 by Elsa Zotian

Summary

Am 28. und 29. März 2014 wird das Laboratoire de Recherche sur le Langage (LRL EA 999) der Université Blaise Pascal das im Jahresrhythmus stattfindende internationale Kolloquium der germanistischen Sprachwissenschaftler Frankreichs in Clermont-Ferrand organisieren. Das Kolloquium soll zur Diskussion dieses in allen linguistischen Perspektiven wichtigen Phänomens einen Betrag leisten und zur präziseren Erfassung des Forschungsobjekts selbst, seiner Relationen zum Ko(n)text und seiner kommunikativen und diskursiven Implikationen dienen.

Announcement

Am 28. und 29. März 2014 wird das Laboratoire de Recherche sur le Langage (LRL EA 999) der Université Blaise Pascal das im Jahresrhythmus stattfindende internationale Kolloquium der germanistischen Sprachwissenschaftler Frankreichs in Clermont-Ferrand (F) organisieren.

Argument

Parenthesen gehören seit der Antike zu den Stilfiguren und werden in der rhetorischen Tradition als sprachliche Mittel betrachtet, die zur wirkungsvollen Textgestaltung beitragen, indem sie die Kernaussage ergänzen oder kommentieren (dazu Schreiter 1991). Seit dem Mittelalter wird auch die „Störung“ (interruptio, perturbatio) betont, die Parenthesen in der regelmäßigen Satzkonstruktion hervorrufen (dazu Hähnemann / Rupp 2003).

In der Forschung der letzten Jahre ist ein vermehrtes Interesse an Parenthesen und Einschüben zu beobachten (vgl. Greule 1998,  2005, 2006; Stein 2003, Dehé / Kavalova (Hrsg.) 2007, Döring 2008, u. die Literaturliste unten). Doch gilt bis heute, dass „[...] wenig Einhelligkeit [besteht], was Parenthesen eigentlich ausmacht“ (Stoltenberg 2006: 139) und welche sprachlichen Ereignisse als parenthetische Einschübe einzuordnen sind. Ihre Definition wie auch ihre eventuelle Abgrenzung zu Appositionen, Relativsätzen, zu „parenthetischen“ Redewiedergabeindikationen, zu Nachträgen, Anakoluthen, Exklamativen / Interjektionen  bzw. ihre Nähe zu einer oder mehrerer dieser Kategorien werden kontrovers diskutiert.

Einhelligkeit scheint im Allgemeinen darüber zu herrschen, dass es sich um strukturell, kommunikativ, syntaktisch, semantisch irgendwie selbstständige Einheiten handelt, die andere Einheiten unterbrechen und sich auf diese beziehen. Einhelligkeit scheint auch darüber zu bestehen, dass es sich bei den unterbrochenen Trägereinheiten nicht nur um Sätze handelt – abgesehen davon, dass diese ja auch Gegenstand umstrittener Definitionsansätze sind – sondern dass auch Texte und subphrasale Einheiten als Trägerstrukturen fungieren können. Im Allgemeinen werden parenthetische Einschübe außerhalb der Informationsstruktur des Trägers angesiedelt. Als typische kommunikative Funktionen spricht man ihnen Kommentierung, Präzisierung, Korrektur, Modalisierung zu. Einhelligkeit scheint schließlich darüber zu bestehen, dass die unterbrechenden Einheiten ebenfalls von unterschiedlicher Form sein können – von Ein-Wort-Ausdrücken über Phrasen und Satzfragmente bis hin zu Sätzen und Texten.

Unterschiedliche Definitionskriterien führen aber natürlich auch zu unterschiedlichen Kategorisierungen und Forschungsergebnissen, sodass diese auf den ersten Blick konsensuell erscheinenden Aspekte auch sehr unterschiedlich perspektiviert werden.

Das Kolloquium soll zur Diskussion dieses in allen linguistischen Perspektiven wichtigen Phänomens einen Betrag leisten und zur präziseren Erfassung des Forschungsobjekts selbst, seiner Relationen zum Ko(n)text und seiner kommunikativen und diskursiven Implikationen dienen.

Parenthetische Einschübe sollten dabei als sprachliche Ereignisse verstanden werden,

  • die auf Äußerungsebene mit ihrem direkten Ko(n)text keine direkte Einheit bilden,
  • deren Funktion es nicht nur ist, zur Identifizierung der Referenz ihrer Bezugsgrößen beizutragen.

Die Beiträge können u.a. folgende Aspekte behandeln:

  • Definition: Wie lassen sie sich parenthetische Einschübe gegen andere „einschubverdächtige“[1] Sequenzen abgrenzen?
  • Prosodie: Welche prosodisch-intonatorischen Muster weisen parenthetische Einschübe auf? Lassen sich (Unter-)Kategorisierungen parenthetischer Einschübe mittels prosodisch-intonatorischer Muster vornehmen?
  • Typographie: Funktionen und (Un-)gleichwertigkeit von Grenz-/Unterbrechungssignalen (Klammern, Gedankenstriche, Kommata, Kursivdruck etc.)?
  • Linearisierung und Topologie: Inwiefern sind parenthetische Einschübe verschiebbar? Welche Positionen sind (un-)möglich? Welche internen topologischen Merkmale der parenthetischen Einschübe lassen sich beobachten? In welcher Beziehung stehen diese zur Trägerstruktur?
  • In welcher Form können Trägerstrukturen realisiert werden?
  • Wie lassen sich die semantischen und pragmatischen Bezugsgrößen der Parenthesen bestimmen? Sind die Trägerstrukturen immer die (alleinigen) Bezugsgrößen parenthetischer Einschübe? Welche Verweismittel auf die Bezugsgrößen finden eventuell innerhalb des Einschubs Verwendung?
  • Wie lassen sich Relationen zwischen parenthetischen Einschüben oder zwischen bestimmten Typen von ihnen und ihren Trägerstrukturen syntaktisch beschreiben?
  • Welche Relevanz hat der Begriff Ellipse / fragmentarische Äußerung für das Verständnis parenthetischer Einschübe?
  • Sind parenthetische Einschübe immer eine „Begleit-„ bzw. „Nebeninformation“ (Pittner 1995: 102)?
  • Welche Konsequenzen haben Parenthesen auf die Informationsverarbeitung des Ko(n)textes?
  • Welche kommunikativen Funktionen erfüllen parenthetische Einschübe?
  • Welche kommunikative Notwendigkeit und Attraktivität haben parenthetische Einschübe?
  • Sind parenthetische Einschübe oder bestimmte Typen von ihnen mit bestimmten Textsorten bzw. einem bestimmten Kode (Mündlichkeit, Schriftlichkeit) korreliert / korrelierbar?
  • Sprachgeschichte: Lassen sich in der Geschichte der Sprache Entwicklungen in der Verwendung und der Form parenthetischer Einschübe beobachten?
  • Geschichte des Parenthesenbegriffs in der deutschen und europäischen Sprachtheorie: als Figur der Rhetorik, als Thema von Stillehren, Parenthesen in ihrem Bezug zur Ellipse, als Text- und Diskursphänomen, in der Geschichte des Forschungsinteresses.
  • Willkommen sind ebenfalls Beiträge zu parenthetischen Einschüben in kontrastiver Perspektive, wobei Deutsch als Kontrastgröße fungieren sollte.

Die Tagungssprache ist Deutsch.

Submissionsbedingungen

Die Länge der Vorträge beträgt 30 Min. (+ 10 Minuten Diskussion).

Die Vortragsvorschläge sollten nicht mehr als 1000 Zeichen enthalten (Bibliographie ausgenommen).

Die Veröffentlichung ist unter der Aufsicht eines internationalen wissenschaftlichen Beirats in der Reihe „Eurogermanistik“ (Tübingen: Stauffenberg) geplant.

Wir bitten, Ihre Vortragsvorschläge spätestens zum

15. September 2013

an folgende Adresse einzureichen:

Friederike.SPITZL-DUPIC@univ-bpclermont.fr

  • Die Benachrichtigung über die Annahme der Vorschläge erfolgt zum 15. November.
  • Die zur Veröffentlichung vorgeschlagenen Texte werden zum 15. Juni 2014 erbeten.

Anmeldegebühr

  • Die Tagungsgebühren betragen 60 €
  • Studierende: 20 €

Wissenschaftlicher Beirat

  • Prof. Dr. Irmtraud Behr (Paris),
  • Dr. Sandra Döring (Leipzig),
  • Dr. PD habil. Dr. Klaas Hinrich Ehlers (Frankfurt / Oder // Berlin),
  • Prof. Dr. Albrecht Greule (Regensburg),
  • Prof. Dr. Gerda Haßler (Potsdam),
  • Prof. Dr. Maxi Krause (Caen / Berlin),
  • Dr. Anne Larrory (Paris),
  • Prof. Dr. Michel Lefevre (Montpellier),
  • Prof. Dr. Günter Schmale (Metz),
  • Prof. Dr. Friederike Spitzl-Dupic (Clermont-Ferrand),
  • Prof. Dr. Maria Thurmair (Regensburg),
  • Dr. Marie-Hélène Viguier (Paris)

Organisation

  • Dr. Wendy Schottman
  • Prof. Dr. Friederike Spitzl-Dupic

Kontakt

Friederike.SPITZL-DUPIC@univ-bpclermont.fr

Subjects

Places

  • Maison des sciences de l’homme
    Clermont-Ferrand, France (63)

Date(s)

  • Sunday, September 15, 2013

Keywords

  • Sprachwissenschaft, Deutsch, Kontrastiv, Historiographie, Informationsstruktur, Prosodie, Typographie, Text, Diskurs

Contact(s)

  • Friederike Spitzl-Dupic
    courriel : friederike [dot] spitzl-dupic [at] uca [dot] fr

Information source

  • Friederike Spitzl-Dupic
    courriel : friederike [dot] spitzl-dupic [at] uca [dot] fr

To cite this announcement

« Parenthèses », Call for papers, Calenda, Published on Tuesday, April 30, 2013, https://calenda.org/246034

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