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Emotionen, Politik und Medien in der Zeitgeschichte

Émotions, politique et médias à l’époque contemporaine

Emotions politics and the media in contemporary times

Ein interdisziplinärer deutsch-französischer Vergleich im Rahmen einer europäischen Emotionsgeschichte

Une comparaison interdisciplinaire franco-allemande pour une histoire européenne

A Franco-German interdisciplinary comparison of European history

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Veröffentlicht am Freitag, 17. November 2017 bei Céline Guilleux

Zusammenfassung

Les émotions imprègnent le quotidien des populations et ont une influence sur leurs comportements et leurs décisions, ce qui se répercute sur le cours de l’histoire. Appelée de ses vœux par Lucien Febvre en 1941 l’histoire des sensibilités, ou histoire des émotions, a connu ces dernières dix voire vingt dernières années un écho remarquable. Les travaux du couple Stearns, Williams Reddy et Barbara Rosenwein ont fait largement avancer l’histoire des émotions. Des historiens allemands, tels que Ute Frevert, Birgit Ashmann et Jan Plamper, et français, tels qu’Alain Corbin et Georges Vigarello ont participé à l’établissement d’une nouvelle branche de la recherche en histoire.

Inserat

Universität des Saarlandes, Saarbrücken, 17. – 19. Oktober 2018

Präsentation

Emotionen durchdringen den Alltag der Menschen, nehmen Einfluss auf deren Handeln und Entscheidungen, dementsprechend ist auch die Geschichte durch Emotionen geprägt. 1941 von Lucien Febvre ins Leben gerufen, hat die Geschichte der Gefühle bzw. die Emotionsgeschichte insbesondere in den letzten zehn bis zwanzig Jahren eine Hochkonjunktur erfahren. Die Arbeiten des Ehepaars Stearns, William Reddys und Barbara Rosenweins brachten die Emotionsgeschichte entscheidend voran. Aber auch die Publikationen von deutschen Historikerinnen und Historikern wie Ute Frevert, Birgit Aschmann und Jan Plamper und von französischen Historikern wie Alain Corbin und Georges Vigarello trugen zur Etablierung des neuen Forschungszweiges innerhalb der Geschichtswissenschaften bei. Emotionen sind jedoch nicht nur Untersuchungsgegenstand der Geschichtswissenschaften, sondern stehen auch in weiteren Disziplinen der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften, wie beispielsweise in der Soziologie, der Ethnologie, den Politikwissenschaften und der Philosophie im Zentrum aktueller Forschungsdebatten. Und selbst die Naturwissenschaften beschäftigen sich seit etwa 15 Jahren zunehmend mit der Entstehung und Wirkweise von Emotionen.

Die Tagung möchte Emotionen in Politik und Medien sowie deren Interdependenzen in Frankreich und Deutschland in den Blick nehmen. Ebenso sollen Emotionstransfers zwischen den beiden Ländern sowie deren Bedeutung für die Idee einer europäischen Emotionsgeschichte diskutiert werden. Sie richtet sich insbesondere an Nachwuchswissenschaftler verschiedener Disziplinen der Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Wahl des Schwerpunktes der Tagung ist auch durch die aktuelle politische Situation bedingt: europaweit versuchen rechte populistische Bewegungen Stimmen durch einen emotionalisierten Wahlkampf zu gewinnen und haben, wie u.a. die letzten Wahlen in Frankreich und der Bundesrepublik gezeigt haben, mit dieser Methode durchaus Erfolg. Die sozialen Netzwerke, die die Nachrichtenwelt durch ihre Einflussnahme ergänzen, sehen sich mit der Problematik der „Fake-News“ konfrontiert, deren Inhalte in der Regel gezielt Emotionen bei den Rezipienten hervorrufen sollen.

Die Zunahme des Emotionalen im Alltag ist jedoch kein Phänomen, das sich ausschließlich auf die Gegenwart begrenzen lässt. Vielmehr eröffnet dieser aktuelle Bezugsrahmen den Blick für die Relevanz historischer, kulturwissenschaftlicher und soziologischer Fragestellungen, die sich mit der Wechselwirkung von Emotionen, Medien und Politik in der europäischen Zeitgeschichte auseinandersetzen. Seit dem Aufkommen der Massenmedien erreichen Politiker nahezu alle Menschen; neben Argumenten setzen sie auf Emotionen, um ihre Wähler von ihren Ideen zu überzeugen. Emotionen können – negativ ausgelegt – auch als Manipulationsinstrumente innerhalb verschiedener politischer Systeme missbraucht werden. Die Manipulationskraft von Emotionen eröffnet die Perspektive für Fragen nach deren unterschiedlichem Einsatz in Diktaturen, autoritären Regimen und Demokratien. Auf welche Weise bedienen sich die verschiedenen politischen Akteure Emotionen, um ihre eigenen Positionen durchzusetzen? Welche Unterschiede bestehen im Einsatz solcher emotionalen Verführungsmethoden zwischen Diktaturen und Demokratien? Gibt es Veränderungen der emotionalen Praxis im Zeitverlauf? Wie veränderten die audiovisuellen (Massen-)Medien die politische Kommunikation und die Verwendung von Emotionen in politischen Diskursen? Auch Fragen, die sich mit Emotionen in Kriegs- und Friedensgesellschaften auseinandersetzen, sind von besonderer Bedeutung: Welchen Stellenwert nehmen beispielsweise Emotionen in der Propaganda des Zweiten Weltkrieges ein? In diesem Kontext bietet sich ein Vergleich zwischen dem demokratisch geführten Frankreich und dem „Dritten Reich“ unter der Herrschaft des Nationalsozialismus besonders an.

Ein weiteres Forschungsfeld eröffnet sich im Bereich der Wechselwirkung zwischen Politik, Werbung und Emotionen: hierbei geht es um die Anwendung von Werbetechniken in der politischen Praxis. Welche Emotionen werden in beiden Kommunikationsmodellen genutzt? In der Zwischenkriegszeit erlebten die neuen Werbemethoden, die in den USA entstanden waren, auch in den europäischen Massenmedien einen Aufschwung. Besonders interessant wäre daher zu untersuchen, welchen Einfluss die Werbemethoden der damaligen Zeit auf die politische Kommunikation nahmen. Gleichzeitig wäre eine solche Fragestellung auch für die Nachkriegszeit – das goldene Zeitalter der Werbung – relevant. Bedienten sich Politiker der neuen emotionsorientierten Methoden, die Werbespezialisten im Zuge der Etablierung der Konsumgesellschaft entwickelten? Mit der europäischen Integration und der damit einhergehenden Etablierung des Binnenmarktes etablierte sich in der Nachkriegszeit eine europäische Werbebranche, die dennoch weiterhin durch interkulturelle Unterschiede der verschiedenen Nationen geprägt ist. Kann eine beginnende Homogenisierung der Werbetechniken und der politischen Kommunikation auf europäischer Ebene festgestellt werden? Kann von einer europäischen Emotionskultur gesprochen werden oder handelt es sich auch weiterhin um länderspezifische Emotionskulturen?

Einreichung

Diese und weitere Fragen sollen auf der Nachwuchswissenschaftlertagung in Saarbrücken vom 17. bis 19. Oktober 2018 diskutiert werden. Die Beiträge sollen 20 Minuten umfassen und werden jeweils durch eine Plenumsdiskussion ergänzt. Arbeitssprachen sind Französisch und Deutsch.

Die Reise- und Unterbringungskosten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel übernommen.

Es wird darum gebeten, die Beitragsvorschläge in deutscher oder französischer Sprache (max. 500 Wörter) sowie einen kurzen Lebenslauf

bis zum 15. Februar 2018

an folgende Adresse zu senden: emotionen2018@gmail.com.

Organisation

  • Jasmin Nicklas, MA. (Université Paris-Sorbonne/Universität des Saarlandes)
  • Dr. Maude Williams (Laboratoire EHNE/Ruhr-Universität Bochum)

Wissenschaftliches Komitee

  • Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix (Université Paris-Sorbonne, UFR d’Études Germaniques et Nordiques)
  • Prof. Dr. Dietmar Hüser (Universität des Saarlandes, Institut für Zeitgeschichte)
  • Jasmin Nicklas, MA. (Université Paris-Sorbonne/Universität des Saarlandes)
  • Dr. Maude Williams (Laboratoire EHNE/Ruhr-Universität Bochum)

Orte

  • Campus
    Saarbrücken, Germany (66123)

Daten

  • Donnerstag, 15. Februar 2018

Schlüsselwörter

  • média, émotion, politique

Kontakt

  • Maude Williams
    courriel : emotion2018 [at] gmail [dot] com

Informationsquelle

  • Maude Williams
    courriel : emotion2018 [at] gmail [dot] com

Zitierhinweise

« Emotionen, Politik und Medien in der Zeitgeschichte », Beitragsaufruf, Calenda, Veröffentlicht am Freitag, 17. November 2017, https://calenda.org/422202

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