StartseiteVereinswelten : das Politische mittels Ethnographien des Vereinswesens verstehen

StartseiteVereinswelten : das Politische mittels Ethnographien des Vereinswesens verstehen

Vereinswelten : das Politische mittels Ethnographien des Vereinswesens verstehen

Mondes associatifs pluriels : saisir le politique par l’ethnographie des associations

Associative Worlds : Grasping Politics by doing Ethnography on Associations

Sonderheft 2021, vol. 47(3) der Schweizerischen Zeitschrift für Soziologie

Numéro spécial 2021, vol. 47(3) de la Revue suisse de sociologie

Special issue 2021, vol. 47(3) of the Swiss Journal of Sociology

*  *  *

Veröffentlicht am Mittwoch, 25. September 2019 bei Anastasia Giardinelli

Zusammenfassung

Dieses Sonderheft möchte den Dialog zwischen ethnographischen Ansätzen fördern, die sich für Vereine und ihre verschiedenen Formen interessieren. Um die Frage nach dem politischen Potential von Vereinen zu erneuern, sollen verschiedene Vereinsformen, assoziative Praktiken und Deutungsmuster untersucht werden. Zum einen sollen die Beiträge dieses Sonderheftes, gestützt auf ethnographische Untersuchungen, die Vielfalt der Situationen und Lebensentwürfe im Vereinswesen erfassen – und daraus soziologische Fragestellungen ableiten. Zum anderen sollen sie den Beitrag ethnographischer Verfahren zu einem politischen Verständnis des Vereinswesens erkunden – ohne sich auf die organisatorischen oder motivationalen Ursprünge der Vereine zu beschränken.

Inserat

Präsentation

Dieses Sonderheft möchte den Dialog zwischen ethnographischen Ansätzen fördern, die sich für Vereine und ihre verschiedenen Formen interessieren. Um die Frage nach dem politischen Potential von Vereinen zu erneuern, sollen verschiedene Vereinsformen, assoziative Praktiken und Deutungsmuster untersucht werden. Zum einen sollen die Beiträge dieses Sonderheftes, gestützt auf ethnographische Untersuchungen, die Vielfalt der Situationen und Lebensentwürfe im Vereinswesen erfassen – und daraus soziologische Fragestellungen ableiten. Zum anderen sollen sie den Beitrag ethnographischer Verfahren zu einem politischen Verständnis des Vereinswesens erkunden – ohne sich auf die organisatorischen oder motivationalen Ursprünge der Vereine zu beschränken. Kurz, es soll beleuchtet werden wie ethnographische Ansätze die in der Schweizer bis in die 1970er Jahre zurückreichende Soziologie des Vereinswesens zu erneuern vermögen (Kellerhals 1974).

Von der Bürgerinitiative, über die Formulierung öffentlicher Politiken bis zur Freiwilligenarbeit: Vereine nehmen auch in ihrem Verhältnis zum Staat verschiedene Formen an. Das Spektrum reicht von kritischem Widerstand bis zur Zusammenarbeit oder dem Streben nach Unabhängigkeit und Autonomie (Laville et Salmon 2015). Wenn die Vereine vom Staat zu unterscheidende Einheiten sind, « die den Übergang von der privaten zur öffentlichen Sphäre mittels zwischenmenschlichen Begegnungen ermöglichen » (Laville 1997, 66), sind sie diesem nicht notwendigerweise feindlich gesinnt. Noch sind sie Zeichen eines Rückzuges oder einer Deregulierung des Staates (Chanial 2001). Mittels ethnographischer Studien von Vereinen, können wir eine Soziologie der Bedingungen der Zusammenarbeit (Candau 2012) und des Konfliktes (Simmel 2003) formulieren, die sich dafür interessiert, wie Individuen und Gruppen zusammenarbeiten oder ihre Interessen verteidigen. Dieses Sonderheft möchte die traditionelle Kluft zwischen der Soziologie der sozialen Bewegungen und der Studie öffentlicher Politik überwinden. Während sich auch Vereine mit der Politik der öffentlichen Hand auseinandersetzen, so kann Politik ebenso diffuse oder alltägliche Formen annehmen(Carrel et Neveu 2014; Berger, Cefaï et Gayet-Viaud 2011). Zudem kann das Engagement das am Anfang eines Vereines steht, wie von Eliasoph (1998) gezeigt, auch mit einer „Vermeidung des politischen“ einhergehen. Während die Vereine einen zentralen Stellenwert im öffentlichen Leben der Schweiz geniessen, ist es wichtig, ihre politischen Dimensionen mit einem frischen Blick zu würdigen und sie international vergleichend einzuordnen.

Die Verwendung ethnographischer Verfahren erlaubt es, die Vielfalt des Vereinswesens in all seinen institutionellen Formen zu erfassen und seine Praktiken und Kontexte zu untersuchen. Gerade in situativen Aktionen, in denen sie durch kollektive Transformationen und Neudefinitionen verändert werden (Entstehung, Stabilisierung, Institutionalisierung oder Auflösung von Vereinen) zeichnen sich die Umrisse von Vereinen besonders deutlich ab. Auch wenn Vereine stark von freiwilligem Engagement leben, sind sie regelmässig mit der Institutionalisierung ihrer Praktiken und der Regulierung ihrer internen Beziehungen konfrontiert, wie es Smith (2005) in ihrer « institutionelle Ethnographie » zeigt. Zudem zwingt uns die lokale Verankerung der Vereinspraktiken, unsere Perspektive mit Studien verschiedener Kontexte zu erweitern (Marcus 1995) oder durch die Kombination verschiedener Vereinstypen die Vielfalt der Praktiken herauszuarbeiten (Dodier et Baszanger 1997).

Wir heissen alle Beiträge willkommen, die sich für die Dynamik des Vereinswesens interessieren. Solche die schon erforschte Vereinsformen mit neuem Blick betrachten genauso, wie jene die sich für neue und originelle Vereinsformen interessieren. Insbesondere Analysen und Antworten zu den folgenden Fragen heissen wir willkommen: wie können hybride Räume, zwischen institutioneller Politik und Bürgerengagement mit ethnographischen Methoden erfasst werden? Welche Deutungsmuster und Weltdeutungen werden in den Vereinen geschaffen, gepflegt oder verändert? Wie können wir die Gleichzeitigkeit von Regulierung und Handlungsfreiheit verstehen, über die die Akteure in ihrer Vereinsarbeit verfügen? Oder auch: welches sind die methodologischen und epistemologischen Herausforderungen einer politischen Ethnographie des Vereinswesens?

Literatur

Berger, Mathieu, Cefaï Daniel et Carole Gayet-Viaud (éds.). 2011. Du civil au politique. Ethnographies du vivre-ensemble. Bruxelles : Peter Lang.

Candau, Joël. 2012. Pourquoi coopérer. Terrain 58 : 4-25.

Carrel, Marion et Catherine Neveu (éds.). 2014. Citoyennetés ordinaires. Pour une approche renouvelée des pratiques citoyennes. Paris : Karthala.

Chanial, Philippe. 2001. Justice, don et association. La délicate essence de la démocratie. Paris : La Découverte.

Dodier, Nicolas et Isabelle Baszanger. 1997. Totalisation et altérité dans l’enquête ethnographique. Revue française de sociologie 38(1): 37-66.

Eliasoph, Nina. 1998. Avoiding politics. How Americans produce apathy in everyday life. Cambridge : Cambridge University Press.

Kellerhals, Jean. 1974. Les associations dans l’enjeu démocratique. Lausanne : Payot.

Laville, Jean-Louis. 1997. L’association : une liberté propre à la démocratie. pp. 35-73 in Sociologie de l’association. Des organisations à l’épreuve du changement social, édité parJean-Louis Laville et Renaud Sainsaulieu Renaud. Paris : Desclée de Brouwer.

Laville, Jean-Louis et Anne Salmon (éds.). 2015. Associations et Action publique. Paris : Desclée de Brouwer.

Marcus, George E. 1995. Ethnography in/of the World System: The Emergence of Multi-Sited Ethnography. Annual Review of Anthropology 24: 95-117.

Simmel, Georg. 2003. Le conflit. Saulxures: Circé.

Smith, Dorothy E. 2005. Institutional Ethnography. A Sociology for People. Lanham : AltaMira.

Richtlinienr die Einreichung

Bitte senden Sie Ihren Vorschlag für einen Beitrag bis zum 15. November 2019.

Folgende Unterlagen sind dem vorgeschlagenen Beitrag mitzuliefern:

  • Name, e-mail-Adresse und institutionelle Zugehörigkeit aller Autoren und Autorinnen
  • Titel des Beitrags
  • Abstract von rund 500 Wörtern plus kurze Literaturliste (Thematik, Hauptzielsetzung, theoretische Perspektive, empirische Grundlagen, Hauptresultate/erste Resultate).

Die GastherausgeberInnen werden bis am 15. Dezember 2019 entscheiden welche Autoren und Autorinnen zur Ausarbeitung eines Manuskriptes eingeladen werden.

Die ausgewählten Autoren und Autorinnen werden zur Einreichung eines Beitrags (von maximal 8’000 Wörtern bzw. 50’000 Zeichen inkl. Tabellen, Graphiken und Referenzen) eingeladen. Die Frist zur Einreichung eines Beitrages ist der 1. Juni 2020. Die Beiträge unterliegen dem üblichen Begutachtungsprozess der Schweizerischen Zeitschrift für Soziologie. Die Vorschläge sowie die Beiträge können in Englisch, Deutsch oder Französisch geschrieben sein. Für weitere Informationen zur Schweizerischer Zeitschrift für Soziologie und zur Vorbereitung von Manuskripten vgl. https://szs.sgs-sss.ch/Geplantes

Erscheinungsdatum: November 2021.

Daten

  • Freitag, 15. November 2019

Schlüsselwörter

  • associations, ethnographie, politique, sociologie, mouvements sociaux, politiques publiques, ethnography, sociology, social movements, public policy

Kontakt

  • Lionel Francou
    courriel : lionel [dot] francou [at] uclouvain [dot] be
  • Maëlle Meigniez
    courriel : maelle [dot] meigniez [at] eesp [dot] ch

Informationsquelle

  • Lionel Francou
    courriel : lionel [dot] francou [at] uclouvain [dot] be

Zitierhinweise

« Vereinswelten : das Politische mittels Ethnographien des Vereinswesens verstehen », Beitragsaufruf, Calenda, Veröffentlicht am Mittwoch, 25. September 2019, https://calenda.org/673646

Beitrag archivieren

  • Google Agenda
  • iCal
Suche in OpenEdition Search

Sie werden weitergeleitet zur OpenEdition Search