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Gedächtnisse der Zerstreuung im deutschsprachigen Raum

Penser la mémoire de la dispersion à partir de l’espace germanophone

The Memory of Dispersion in the German-speaking World

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Veröffentlicht am Dienstag, 05. November 2019 bei Anastasia Giardinelli

Zusammenfassung

Die Archive als Ort der Formung, Aufbewahrung und Weitergabe von Gedächtnissen - sei es in Form von Schriftstücken, Fotos oder Gegenständen – haben Archive in den letzten Jahren eine immer grössere Bedeutung bekommen. Im Kontext der Kulturwissenschaften und Memory Studies, aber auch der weltweit wachsenden Digitalisierung von Dokumenten aus Archiven, wächst seit einiger Zeit auch das Interesse an jüdischen Archiven als strategischen Orten der Wissensproduktion.

Inserat

Tagung, Musée d’Art et d’Histoire du Judaïsme, Paris, 11.-12. Juni 2020

Präsentation

Als Ort der Formung, Aufbewahrung und Weitergabe von Gedächtnissen - sei es in Form von Schriftstücken, Fotos oder Gegenständen – haben Archive in den letzten Jahren eine immer grössere Bedeutung bekommen. Im Kontext der Kulturwissenschaften und Memory Studies, aber auch der weltweit wachsenden Digitalisierung von Dokumenten aus Archiven, wächst seit einiger Zeit auch das Interesse an jüdischen Archiven als strategischen Orten der Wissensproduktion.

In diesem Zusammenhang sieht sich der Forscher/die Forscherin mit verschiedenen Problemen konfrontiert: viele Archive sind verschwunden, andere wurden im Laufe der Geschichte aus ihrem Entstehungskontext herausgelöst und an andere Orte gebracht, und oft finden sich Archivteile des selben Corpus an verschiedenen Orten. Wie Joachim Schlör, Lisa M. Leff und James Jordan (Jewish Migration and the Archive, 2017) vor kurzem unterstrichen haben, erklären sich diese Archivbewegungen unter anderem durch die freiwillige oder erzwungene Mobilität, die das Leben vieler Juden und Jüdinnen charakterisiert. Migration und Zerstreuung sind ein wesentlicher Bestandteil jüdischer Geschichte, was wiederum verschiedene Räume und Bewegungen umfasst: Ortswechsel vom Land in die Stadt oder innerhalb einer Stadt, Migration zwischen Ländern und Kontinenten. Das legt nahe, dass die Archive der Diaspora auch eine Quelle sind, um zu verstehen, wie eine Minderheit ihre Stellung in der Welt verstand und sich die letztere repräsentiert hat.

Die Tagung möchte anhand des Beispiels von Juden, die aus dem deutschsprachigen Raum kamen oder durch ihn wanderten, die dialektische Verbindung zwischen den Archiven als Ort der Sammlung und der Diaspora als Bewegung der Zerstreuung befragen. Es soll dabei nicht darum gehen, mit einem Begriff von Archiv zu arbeiten, der zu einer Essenzialisierung des Dokuments und seines Inhaltes neigt. Vielmehr sollen Reflexionen im Mittelpunkt stehen, die anhand der Archive Dynamiken jüdischer Diasporakonfigurationen zwischen Bewegung, Vernetzung, Sammlung, und Formen von Fragmentarisierung und Abwesenheit aufzeigen. Jüdische Archive scheinen in der Tat eine Geschichte der Zerstreuung zu erzählen, die unmittelbar in die Arbeitsweise der Forschung eingeht. Welche Rolle spielt der Weg, den man zurücklegen muss, um zu ihnen zu kommen, der Ort an dem sie sich befinden? Wie kann man mit Archiven umgehen, die wegen ihres fragmentarischen und lückenhaften Charakters die Tendenz haben, sich den Prinzipen von Ordnung, Vollständigkeit und Objektivität, die größtenteils weiterhin in der Historiographie vorherrschen, zu entziehen? Zu welcher

Vergangenheit hat man in diesem Fall Zugang, und was bedeutet das für die (Re-)-Konstruktion eines Archivnarrativs in der Gegenwart?

Die Beiträge können sich auf Archive einer Einzelperson oder einer Gruppe von Individuen beziehen, um Phänomene der Zerstreuung und/oder Konfigurationen der Polaritäten herauszuarbeiten. Mit welchen Mitteln und Techniken kann diese Zerstreuung, auch in ihrer Materialität, von der Forschung analysiert werden? Wie haben diejenigen gearbeitet, die sich der Sammlung zerstreuter Archive und deren Konstitution als kohärentem Corpus oder Werk widmen? Was wird für die Herstellung von Archiven behalten, was wird verschickt und an andere Orte gebracht, was geht beim Aufbau von Archiven verloren?

Weitere mögliche Ansatzpunkte sind der physische Kontakt mit dem Archiv (Schachteln, Papiere, Objekte, Fragmente), die Emotionen, die sie auslösen können, die Konflikte (u.a. um ihr Eigentum), die sie erzeugen können, die Art, wie sie in kulturellen und wissenschaftlichen Institutionen für eine Öffentlichkeit ausgestellt und zugänglich gemacht werden. Seit einigen Jahren entstehen auch Archive, die auf mündlichen Zeugnissen mit einer ausschließlichen Internet-Präsenz basieren. Referate zu den « Digital Humanities », die für Fragen des Zugangs zu jenem « zerstreuten Material » eine besondere Rolle zu spielen scheinen, sind ebenfalls willkommen.

Einreichung der Vorschläge

Bitte schicken Sie Ihre Vorschläge in deutscher, französischer oder englischer Sprache mit folgenden Angaben:

  • Name, Vorname und Hochschule
  • Titel und Resümee (max. 500 Wörter)
  • Kurzpräsentation Ihrer Forschungsschwerpunkte und aktuelle Publikationen (max. 5 Zeilen)

bis 30. November 2019 an: diasporas@sorbonne-nouvelle.fr

Eine Antwort ist für den 15. Januar vorgesehen.

Organisation

  • Patrick Farges (Université de Paris)
  • Sonia Goldblum (Université de Haute Alsace)
  • Heidi Knörzer (Ecole polytechnique)
  • Katja Schubert (Université Paris Nanterre)
  • Céline Trautmann-Waller (Université Sorbonne Nouvelle – Paris 3/I

Orte

  • Musée d'art et d'histoire du judaïsme, Paris
    Paris, Frankreich (75)

Daten

  • Samstag, 30. November 2019

Schlüsselwörter

  • diaspora, archives, minorités juives

Kontakt

  • Heidi Knorzer
    courriel : heidiknoerzer [at] web [dot] de

Informationsquelle

  • Heidi Knorzer
    courriel : heidiknoerzer [at] web [dot] de

Zitierhinweise

« Archive der Diaspora - Diaspora der Archive », Beitragsaufruf, Calenda, Veröffentlicht am Dienstag, 05. November 2019, https://calenda.org/699605

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