StartseiteVerankern, auswählen, verteidigen - wie überlebt eine Demokratie (1918-1960)?

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Verankern, auswählen, verteidigen - wie überlebt eine Demokratie (1918-1960)?

Enraciner, sélectionner, défendre. Comment faire survivre une démocratie (1918-1960) ?

Founding, selecting, defending: how to make democracy survive (1918-1960)?

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Veröffentlicht am Mittwoch, 30. September 2020 bei Elsa Zotian

Zusammenfassung

Diese internationale Tagung ist Teil des Ausbildungs- und Forschungsprogramms « Welche Demokratie(n)? Reflexionen über die Krise, Modernisierung und Grenzen der Demokratie in Deutschland, Frankreich, England und Mitteleuropa zwischen 1919 und 1939 ». Das Ziel des Forschungsprojektes ist es, auf die Demokratietheorien und -debatten der Zwischenkriegszeit zurückzukommen, mit einer Fokussierung auf kritische Diskurse und Reformprojekte aus dem demokratischen Lager im weiteren Sinne. Es soll versucht werden, diese in ihren historischen, ideologischen und soziokulturellen Kontext einzubetten und ihre politische und gesellschaftliche Tragweite zu untersuchen. Vor diesem Hintergrund wird die Tagung in Reims der Frage nach der demokratischen Verankerung nachgehen, d.h. nach jenen Mitteln, die ein Überleben der Demokratie in einer feindlich gesinnten Umwelt ermöglichen.

Inserat

Internationale Tagung an der Universität Reims – Champagne-Ardenne: 9. - 11. Juni 2021

Präsentation

Diese internationale Tagung ist Teil des Ausbildungs- und Forschungsprogramms des Centre interdisciplinaire d’études et de recherches sur l’Allemagne (CIERA) zum Thema: « Welche Demokratie(n)? Reflexionen über die Krise, Modernisierung und Grenzen der Demokratie in Deutschland, Frankreich, England und Mitteleuropa zwischen 1919 und 1939 » (cf. http://www.ciera.fr/fr/node/14695). Dieses interdisziplinäre zweijährige Projekt beruht auf der Zusammenarbeit zwischen den Universitäten Lothringen (CEGIL), Reims Champagne-Ardenne (CIRLEP), Straßburg (Mondes germaniques et nord-européens) und Augsburg in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Historischen Institut Paris (IHAP/DHIP). Das Ziel des Forschungsprojektes ist es, auf die Demokratietheorien und -debatten der Zwischenkriegszeit zurückzukommen, mit einer Fokussierung auf kritische Diskurse und Reformprojekte aus dem demokratischen Lager im weiteren Sinne. Es soll versucht werden, diese in ihren historischen, ideologischen und soziokulturellen Kontext einzubetten und ihre politische und gesellschaftliche Tragweite zu untersuchen. Überdies verfolgt das Projekt einen komparatistischen Ansatz, der gleichzeitig die Lage in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Zentraleuropa (v.a. in Polen und in der Tschechoslowakei) in Betracht zieht.

Vor diesem Hintergrund wird die Tagung in Reims der Frage nach der demokratischen Verankerung nachgehen, d.h. nach jenen Mitteln, die ein Überleben der Demokratie in einer feindlich gesinnten Umwelt ermöglichen. Denn von der „universellen Akzeptanz der Demokratie als normale und natürliche Form der Regierung“, über die sich James Bryce noch 1921 freuen konnte, bis zum Niedergang der Demokratien im Widerstreit mit den faschistischen und autoritären Gegenbewegungen war die Geschichte der Demokratie in der Zwischenkriegszeit lange Zeit verbunden mit der Frage nach ihrer kulturellen Verankerung oder umgekehrt mit der Anprangerung ihrer Künstlichkeit, was oft in die Feststellung ihrer Wehrlosigkeit mündete.

Unter dem Titel „Verankern, auswählen, verteidigen“ soll diese Fragestellung rund um drei Themenschwerpunkte neu aufgerollt werden:

Demokratische Kultur und politische Bildung

Wenn die Idee einer aktiven „Erziehung zur Demokratie“ meistens mit der Reeducation-Politik der Alliierten nach dem 2. Weltkrieg verbunden wird, weisen doch viele Elemente darauf hin, dass diese Fragestellung viel älter ist und ihre eigentlichen Wurzeln in der Zwischenkriegszeit liegen. Es stellt sich also die Frage, wie die politischen Akteure, die Intellektuellen und die Medien diese Problematik der (zu erschaffenden, zu erfindenden) demokratischen Kultur aufgegriffen und verarbeitet haben.

Demokratische Beamtenschaft?

Sei es beim Übergang von der Monarchie zur Demokratie oder angesichts der sich verstärkenden antidemokratischen Bewegungen in den 20er und 30er Jahren: die Frage nach dem Bekenntnis der Beamten zu den demokratischen Prinzipien und Grundwerten hat in diesen Jahren grundlegende Debatten über Auswahl, Ausbildung oder sogar Maßregelung des politischen Personals und des Beamtentums ausgelöst. Was waren die grundlegenden Fragestellungen, Konfliktlinien und Entwicklungen zu dieser Thematik?

Das Recht/Die Pflicht einer Demokratie, sich zu verteidigen

Es wird meistens davon ausgegangen, dass das juristische und administrative Arsenal der „wehrhaften Demokratie“ als Reaktion der Nachkriegszeit auf die Erfahrungen der 30er Jahre betrachtet werden muss. Theorien zur „streitbaren Demokratie“ waren somit ein Thema für Exilanten. Bei genauerer Betrachtung scheinen aber viele Elemente darauf hinzuweisen, dass die Frage nach der Notwendigkeit, die Demokratie gegen ihre Feinde zu verteidigen, bereits in den 1920er Jahren die Menschen beschäftigt hat. Es könnte somit interessant sein, die Demokratiediskurse und -theorien der Zwischenkriegszeit auch auf diese Thematik hin noch einmal zu untersuchen und zu vergleichen. Inwiefern war das Recht der Demokratie, sich zu verteidigen, bereits in den 1920er Jahren präsent, mit welchen Schwerpunkten? Und welche Früchte haben diese Debatten getragen? Oder umgekehrt, warum sind sie fruchtlos geblieben? Um diese Fragen in ihrer ganzen Tiefe zu erforschen, erweist es sich als sinnvoll, den historischen Rahmen auf die 1950er und 60er Jahre auszuweiten und die Debatten der Zwischenkriegszeit im Blick auf die der Nachkriegszeit zu betrachten.

Beschäftigungsbedingungen

Die vorgeschlagenen Beiträge können sowohl einzelne Länder untersuchen wie auch vergleichende Perspektiven einnehmen, indem die transnationale Zirkulation der Diskurse und Praktiken in der Zwischenkriegszeit untersucht wird.

Wir wenden uns sowohl an ausgewiesene Kolleginnen und Kollegen als auch an Nachwuchswissenschaftler/innen unterschiedlicher Fachrichtungen (Geschichts- und Literaturwissenschaft, Landeskunde, Politik- und Wirtschaftswissenschaft, Soziologie, Recht, usw.) und bitten alle Interessierten, ihre Vorschläge (3000 Zeichen) sowie eine bio-bibliographische Kurznotiz/Curriculum Vitae

bis Samstag, 12. 12. 2020, 23h59 (CET

an Christian E. Roques (christian.roques@univ-reims.fr) und Thomas Nicklas (thomas.nicklas@univ-reims.fr) zu senden.

Die Auswahl der Beiträge wird Mitte Januar 2021 mitgeteilt. Unter Vorbehalt der Einwerbung zureichender Mittel werden die Reise- und Unterbringungskosten der Teilnehmer übernommen.

Dauer der Vorträge: 30 Minuten + 15 Minuten Diskussion

Wissenschaftliches Gremium

  • Jürgen Finger (Deutsches Historisches Institut Paris),
  • Christian Jacques (Universität Strasbourg),
  • Zoé Kergomard (Deutsches Historisches Institut Paris),
  • Annette Lensing (Universität Caen),
  • Marcus Llanque (Universität Augsburg),
  • Reiner Marcowitz (Universität Lothringen),
  • Thomas Nicklas (Universität Reims),
  • Christian E. Roques (Universität Reims).

Orte

  • Campus Croix Rouge, 57 rue Pierre Taittinger
    Reims, Frankreich (51100)

Daten

  • Samstag, 12. Dezember 2020

Schlüsselwörter

  • critique, démocratie

Kontakt

  • Thomas Nicklas
    courriel : thomas [dot] nicklas [at] univ-reims [dot] fr
  • Christian E. Roques
    courriel : christian [dot] roques [at] univ-reims [dot] fr

Informationsquelle

  • Christian E. Roques
    courriel : christian [dot] roques [at] univ-reims [dot] fr

Zitierhinweise

« Verankern, auswählen, verteidigen - wie überlebt eine Demokratie (1918-1960)? », Beitragsaufruf, Calenda, Veröffentlicht am Mittwoch, 30. September 2020, https://calenda.org/804282

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