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Körper - Teile (Junior-Tagung)

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Mikroformen des Organischen in Literatur, Kunst und Film von der Moderne bis zur Gegenwart

Microformes de l’organique dans la littérature, l’art et le cinéma de l’époque moderne à nos jours

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Published on Wednesday, April 05, 2023

Abstract

Ziel der Tagung als Ort der Verflechtung theoretischer und praktischer Zugänge ist es, die Entstehung und Entwicklung zeitgenössischer Körperdarstellungen im Kleinen - auch durch historische Rückblicke und Vergleiche - nachzuvollziehen und Mikroformen des Organischen medienspezifisch-interdisziplinär zu befragen. In der medienspezifischen Dekonstruktion des Körpers als Ganzheit werden seine sichtbaren und unsichtbaren, inneren und äußeren, materiellen und immateriellen Komponenten in den Fokus gerückt und als Bedeutungsräume hervorgehoben. Zum anderen lässt die gezielte Einbindung künstlerischer Beiträge, nicht nur im Sinne der individuellen künstlerischen Arbeit, sondern als Praxis künstlerischer Forschung, den Körper als Materialität für die Teilnehmenden sensuell erfahrbar werden.

Announcement

Präsentation

Die Darstellung des menschlichen Organischen in Literatur, Kunst und Film des 21. Jahrhunderts weist vor dem gesellschaftlichen Hintergrund der beschleunigten Globalisierung und Digitalisierung Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zur Moderne auf. Das Organische und dessen Bedeutungsräume sowie diesbezügliche künstlerische Repräsentationen haben in den letzten hundert Jahren angesichts neuer Technologien und gesellschaftlicher Praktiken Wandlungen erlebt – man denke z. B. an die Semantiken der Geschlechtlichkeit bestimmter Körper-Teile, oder auch die Infiltrierung organischer menschlicher und nicht-menschlicher Kreisläufe durch Mikroplastik oder Psychopharmaka. In diesem Kontext lohnt sich nicht nur in den Natur-, sondern auch in den Geisteswissenschaften der Blick auf ‚das Kleine‘, welcher den Körper als Ganzheit aus dem Fokus nimmt, und stattdessen seine einzelnen Komponenten und Mikro-Zusammenhänge beleuchtet. Zudem scheinen neben medizinischen auch neue mediale Technologien, virtuelle Plattformen und deren mediale Formate, die sich vor allem auf „Kleine Formen“ (Vogl et. Al. 2021) wie Tweets, sogenannte photo dumps, GIFs u. Ä. stützen, aktuelle Körper-Bilder entscheidend mitzukonstituieren. Nimmt man entgegen häufigen Prognosen an, dass die Ausbreitung virtueller Räume nicht mit einer Entkörperlichung einhergeht, sondern Materielles und Immaterielles (Lyotard 1985) zusammenwirken und sich gegenseitig bedingen, eröffnet dies neue spannungsreiche Reflexionsräume für die Literatur-, Kunst- und Filmwissenschaft des 21. Jahrhunderts.

Problemstellung

Insbesondere organische Mikroformen, das heißt auch mit dem bloßen Auge nicht erkennbare Körper-Welten wie Bakterien, Hormone und Viren und Mikropartikel sowie deren ästhetische Sichtbarmachung rücken in zahlreichen literarischen, filmischen und künstlerischen Repräsentationen der Gegenwart in den Blick. Die zentralen Fragen hierbei sind: Welche ästhetischen Mittel werden gewählt, um Mikroformen des Organischen darzustellen? In welchem Verhältnis stehen dabei menschliche mit nicht-menschlichen Organismen und Maschinellem – bzw. was können gerade Mikro-Ebenen über Begriffe wie ‚Kultur‘ und ‚Natur‘ aussagen? Wie bedingen sich Diskurse aus der (Natur-)Wissenschaft und künstlerischer Verarbeitung gegenseitig?

Ein prägnantes aktuelles Beispiel bildet der Film De Humani Corporis Fabrica (2023) von Lucien Castaing-Taylor und Verena Paravel, der durch den Blick westlicher Medizin das Innere des Körpers nach außen kehrt. Auch in der Gegenwartsliteratur findet man gehäuft Darstellungen von Mikroformen des Organischen, zum Beispiel bei Autor:innen wie Marie Darrieussecq, Virginie Despentes, Maggie Nelson, Paul B. Preciado oder Olga Tokarzcuk. Hormone wie Serotonin oder Oxytocin, Bakterien, Eizellen, Spermien oder auch Fremdkörper wie Mikroplastik spielen darin mehr oder weniger prominente Rollen und evozieren lebendige molekulare Mikrolandschaften vielmehr als einzelne Teile des Körpers. In der zeitgenössischen Kunst lässt sich diesbezüglich die Auseinandersetzung mit verschiedenen Sinnen (u. a. Geruchskunst) beobachten, wobei normalerweise im Verborgenen liegende Prozesse wahrnehmbar werden und sich gewohnte Größenordnungen verschieben: Man denke zum Beispiel an die multimedialen und multisensorischen Arbeiten von Pamela Rosenkranz, Chiharu Shiota oder Anicka Yi.

Die interdisziplinäre deutsch-französische Junior-Tagung KÖRPER-TEILE: Mikroformen des Organischen in Literatur, Kunst und Film von der Moderne bis zur Gegenwart stellt die Entwicklung von medienspezifischen Ästhetiken und Semantiken des Organischen als Kleinform von der Moderne bis zur Gegenwart in den Mittelpunkt. Vor allem neomaterialistische Theorien bzw. ‚Theorie-Hybride‘ der letzten Jahrzehnte haben mit Konzepten der Transkorporalität (Alaimo 2010), der Plastizität (Malabou 2000, 1994), des Cyborgs (Haraway 1991) und des Posthumanen (Braidotti 2013, Hayles 1999) das aktuelle Verständnis von Körperlichkeit entscheidend geprägt. Formen des Organischen sind dabei nie als reine Natürlichkeit zu verstehen, sondern sind immer schon und gerade im 21. Jahrhundert techno-bio-politische Hybride (vgl. z. B. Haraway 1991, Preciado 2008).

Teilnahme

Die Veranstaltung richtet sich an Masterstudierende, Doktorand:innen, Post-Docs und Künstler:innen aus dem germanophonen und frankophonen Raum und soll am 01. und 02.09.2023 (Freitagnachmittag sowie Samstag ganztägig) in der Kunsthochschule Mainz stattfinden. Über eineinhalb Tage verteilt werden thematisch gegliederte Vorträge von 20-30 Minuten mit anschließender 15-20-minütiger Diskussion stattfinden. Eingebunden in das Vortrags- und Diskussionsprogramm sind eigenständige künstlerische Beiträge unterschiedlicher Formate (Performance, Video, Film, Tanz), die Aspekte der einzelnen Themenfelder aufgreifen, ergänzen und eine die wissenschaftlichen Perspektiven erweiternde, sensuelle Auseinandersetzung ermöglichen.

Ziel der Tagung als Ort der innovativen Verflechtung theoretischer und praktischer Zugänge ist es die Entstehung und Entwicklung zeitgenössischer Körperdarstellungen im Kleinen, auch durch historische Rückblicke und Vergleiche, nachzuvollziehen und Mikroformen des Organischen medienspezifisch-interdisziplinär zu befragen. Der dabei auf das Detail gerichtete Blick wird hierbei in zweifacher Hinsicht als vielversprechende Forschungsperspektive aufgefasst: Zum einen ermöglicht die Geste des „Zoomens“ eine differenzierte Analyse der verschiedenen Körperbestandteile und ihren vielgestaltigen, subtilen Lesarten. In der medienspezifischen Dekonstruktion des Körpers als Ganzheit werden seine sichtbaren und unsichtbaren, inneren und äußeren, materiellen und immateriellen Komponenten in den Fokus gerückt und als Bedeutungsräume hervorgehoben. Zum anderen lässt die gezielte Einbindung künstlerischer Beiträge, nicht nur im Sinne der eigenständigen künstlerischen Arbeit, sondern als Praxis künstlerischer Forschung, den Körper als Materialität für die Teilnehmenden sensuell erfahrbar werden.

Daher suchen wir Beiträge, die die oben beschriebene Themensetzung aufgreifen und weiterführen. Natürlich können Beiträge auch offene Diskussionsangebote oder „Work-in-progress“ sein. Wir freuen uns zudem insbesondere über Beiträge aus eigenen Dissertationsprojekten. Theoretische, konzeptionelle, empirische und künstlerische Projekte können sich zum Beispiel mit folgenden (und weiteren) Fragen beschäftigen:

  • Wie werden menschliche, nicht-menschliche oder hybride Mikroformen des Organischen in modernen und zeitgenössischen Werken dargestellt?
  • Wie hängen in der Darstellung von Mikroformen des Organischen künstlerische Praxis, Werk und Rezeption miteinander zusammen?
  • Welche Bedeutungs- und Interpretationsräume eröffnen die medienspezifischen Darstellungsformen (im Vergleich), wie ergänzen sich Form und Inhalt?
  • Aus komparatistischer Perspektive: Welche intertextuellen und transkulturellen Bezüge werden dabei hergestellt?
  • Welche Mikroformen des Organischen in der Literatur-, Kunst- und Filmgeschichte haben überdauert, welche wachsen gerade erst heran? Welche Rollen spielen dabei neue Medien und Technologien?
  • Wie beeinflussen (natur-)wissenschaftliche Diskurse dabei die Ästhetiken und Poetiken der organischen Mikroformen?
  • Wie verhalten sich Materialität und Identität in diesen Mikroperspektiven zueinander?

Die Veranstaltung wird auf Deutsch, Französisch und Englisch stattfinden. Voraussetzung für die Teilnahme sind sehr gute Kenntnisse mindestens einer dieser Sprachen, sowie zumindest passive Kenntnisse der anderen Sprachen. Abstracts (ca. 300 Wörter) sind bis spätestens 12.05.2023 in einem pdf-Dokument an die Organisatorinnen Larissa Frömel (Kunsthochschule Mainz) und Vanessa Franke (Universität Mainz/ Université Paris VIII) unter der E-Mailadresse koerperteile.tagung@gmail.com zu senden. Zudem bitten wir um die Einsendung einer kurzen Biografie (maximal 150-200 Wörter), um unter anderem einen Einblick in die Sprachkenntnisse der Bewerber:innen zu erhalten.

Wissenschaftliches Komitee

  • Vanessa Franke (Université Paris 8 / Universität Mainz)
  • Larissa Frömel (Kunsthochschule Mainz)
  • Prof. Dr. Stefanie Buchenau (Université Paris 8)
  • Dr. Martina Kopf (Universität Mainz)

Bibliographie

Alaimo, Stacy (2010): Bodily Natures. Science, Environment, and the Material Self. Bloomington, Indiana.

Braidotti, Rosi (2013): The Posthuman. Cambridge.

Haraway, Donna (1991 [1985]): “A Cyborg Manifesto: Science, Technology, and Socialist Feminism in the Late Twentieth Century." Simians, Cyborgs and Women: The Reinvention of Nature. New York. S.149-181.

Hayles, Nancy Katherine (1999): How We Became Posthuman. Virtual Bodies in Cybernetics, Literature, and Informatics. Chicago.

Lyotard, Jean-François et. Al. (1985): Immaterialität und Postmoderne. Berlin.

Malabou, Catherine (Hrsg.) (2000): Plasticité. Paris.

Malabou, Catherine (1994): L'Avenir de Hegel. Plasticité, temporalité, dialectique. Paris.

Preciado, Paul B. (2008): Testo junkie. Sexe, drogue et biopolitique. Paris.

Vogl, Joseph, Balke, Friedrich und Bernhard Siegert (2021): Kleine Formen. Berlin.

Places

  • Kunsthochschule Mainz, Am Taubertsberg 6
    Mainz, Federal Republic of Germany (55122)

Event attendance modalities

Full on-site event


Date(s)

  • Friday, May 12, 2023

Keywords

  • Körper, Literatur, Kunst, Film, Gegenwart, Moderne, Mikroformen, Organismus, Transkorporalität, Plastizität

Contact(s)

  • Vanessa Franke
    courriel : vanessa [dot] franke [at] posteo [dot] de
  • Larissa Frömel
    courriel : lfroemel [at] students [dot] uni-mainz [dot] de

Information source

  • Vanessa Franke
    courriel : vanessa [dot] franke [at] posteo [dot] de

License

CC0-1.0 This announcement is licensed under the terms of Creative Commons CC0 1.0 Universal.

To cite this announcement

« Parties - Corps », Call for papers, Calenda, Published on Wednesday, April 05, 2023, https://doi.org/10.58079/1auy

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