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Kunst und Politik

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Internationale Frühjahrsakademie 2018

École de printemps 2018

Springtime Academy 2018

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Veröffentlicht am Dienstag, 30. Januar 2018 bei João Fernandes

Zusammenfassung

Die vom Internationalen Netzwerk für Kunstgeschichte organisierte 16. Frühjahrsakademie wird vom 18. bis 23. Juni 2018 zum Thema „Kunst und Politik“ in Gedenken an den Mai 1968 stattfinden, der sich 2018 zum 50. Mal jährt. Diese einwöchige Veranstaltung ermöglicht es Master-Studierenden, Doktoranden und Post-Docs unterschiedlicher Disziplinen, die unseren Partnerinstitutionen angehören, sich über ihre Arbeit und Forschungen auszutauschen sowie neue Kontakte mit anderen jungen und etablierten Wissenschaftler/-innen zu knüpfen.

Inserat

Université Paris Nanterre, 18. - 23. Juni 2018

Kontext

Die vom Internationalen Netzwerk für Kunstgeschichte organisierte 16. Frühjahrsakademie wird vom 18. bis 23. Juni 2018 zum Thema „Kunst und Politik“ in Gedenken an den Mai 1968 stattfinden, der sich 2018 zum 50. Mal jährt. Diese einwöchige Veranstaltung ermöglicht es Master-Studierenden, Doktoranden und Post-Docs unterschiedlicher Disziplinen, die unseren Partnerinstitutionen angehören, sich über ihre Arbeit und Forschungen auszutauschen sowie neue Kontakte mit anderen jungen und etablierten Wissenschaftler/-innen zu knüpfen. In Frankreich ermöglicht das INHA Kandidat/-innen aus Institutionen, die nicht dem Netzwerk angehören, eine Bewerbung einzureichen, für Studierende aus Deutschland kann das Deutsche Forum für Kunstgeschichte Paris einen Zuschuss gewähren. Am Ende der Woche wird den Teilnehmern der Frühjahrsakademie ein Zeugniss zur internationalen, kunstgeschichtlichen Ausbildungausgehändigt. Die Programme der bisherigen Frühjahrsakademien finden sich gemeinsam mit weiteren Informationen auf der Website www.proartibus.net. Bewerber/-innen sind aufgefordert, Themenvorschläge mit Bezug zu ihren Forschungsprojekten einzureichen, ohne Einschränkung mit Blick auf die kunsthistorische Epoche, den fachspezifischen Bereich oder die künstlerische Ausdrucksform. 

Das Thema: Kunst und Politik

Die Erforschung der Bezüge zwischen Kunst und Politik ist meist von dem Verdacht der Instrumentalisierung der Kunst geprägt. Mit der Herausstellung der "politischen Funktion der Kunst" gehe eine Vernachlässigung des ästhetischen Gehalts einher, die Form werde einem dem Kunstwerk fremden Prinzip geopfert. Der Begriff der "Propaganda", der inflationär von der Geschichtswissenschaft verwendet wird, steht emblematisch für die Reduzierung des Visuellen auf eine Aussage, durch die die Kunst in den Diskurs der politischen Geschichte eingefügt werden kann. Was die Politik mit der Kunst macht, wird als Verlust wahrgenommen – als Verlust der Ästhetik, der künstlerischen Form und der Autonomie der Kunst. Hier belebt sich die alte Diskussion um die "soziale Bestimmung" der Kunst; so als müsste man der Kunst die Möglichkeit bewahren, der letzte Zufluchtsort der Freiheit zu sein.

In der jüngsten Zeit zeichnet sich indes eine neue Form der Annäherung zwischen Geschichtswissenschaft und Kunstgeschichte ab, die dazu anregt, Begrifflichkeiten zu überdenken. Einerseits scheint sich die Politikgeschichte wieder verstärkt mit anthropologischen Fragen auseinanderzusetzen, eine Herangehensweise, wonach Symbole Auswirkungen auf die reale Welt haben. Politische Rituale, Embleme, visuelle oder künstlerische Kulturen tragen zum Verständnis des Politischen nicht nur als einfache Widerspiegelung oder Ausdruck eines historischen Ablaufes bei, sondern werden in einer komplexen Kette von Ereignissen gesehen. Für diese Historiker/-innen werden das Leben und die Kraft der Symbole an den Umwälzungen messbar, die sie in der Gesellschaft verursachen. Mit diesen Tendenzen der Geschichtswissenschaft korrespondiert andererseits ein erneutes Interesse in der Kunst-, Theater-, Fotografie- und Filmgeschichte an der lange Zeit in den Hintergrund getretenen Sozialgeschichte der Kunst, welche die künstlerische Produktion sowie den Diskurs über Kunst und deren Historiografie vor dem Hintergrund politischer und sozialer Entwicklungen verortet. Dort, wo sich die beiden Strömungen begegnen, stellt sich die Frage, inwiefern die Kunst als Form der politischen Intervention verstanden werden kann.

Wenn man das Politische als Ort des Ausdrucks von Unstimmigkeiten und Meinungsverschiedenheiten, als Moment der Begegnung unterschiedlicher Positionen definiert, ist es möglich Sichtweisen zu überwinden, nach denen die Kunst nur der symbolischen Affirmation von Macht, von Staatshoheit oder einer politischen Botschaft dient. Es lässt sich stattdessen nachvollziehen, wie die Kunst auf Grenzen und Reibungspunkte reagiert, wie sie am Politischen teilnimmt und darauf einwirkt. Insgesamt geht es darum, die umgekehrte Position in den Blick zu nehmen und zu fragen, was die Kunst mit der Politik macht. Zu welchen Veränderungen trägt die Kunst in den Institutionen, den verschiedenen Gruppierungen, politischen Parteien und sozialen Klassen bei? Mehrere Themenbereiche und Ansätze werden hierfür in Betracht gezogen:

  1. Die Produktion und Verbreitung von Zeichen und Farben politischer Identitäten. Bilder und Symbole definieren Gruppen, ziehen politische Grenzen und garantieren den Zusammenhalt verschiedener Positionen. Das Visuelle kann in diesem Bereich Wirkungen erzielen, die über die Möglichkeiten der Sprache hinausgehen: Die Überlagerung von Bedeutungen, Gleichzeitigkeiten, die Mehrdeutigkeit von Symbolen und Gefühlsäußerungen tragen dazu bei, dass politischen Bildern sowie visuellen Identitäten eine spezifische Rolle bei der Übersetzung und Verbreitung sozialer und politischer Positionen zukommt.
  2. Modi der Sichtbarkeit bedingen die öffentliche Darstellung und die Wiedererkennbarkeit von Personen, Gruppen oder Institutionen. Ein Mittel der Beherrschung von Gruppen, egal ob Minderheiten oder Mehrheiten, ist, sie unsichtbar zu machen, sodass der Kampf um Anerkennung, der zu den weitverbreitetsten Formen von sozialen Klassenkämpfen gehört, über den Zugang der Beherrschten zur visuellen Präsenz ausgefochten wird. Die Kunst wie die Kunstgeschichtsschreibung sind Ausdrucksformen dieser Kämpfe, durch die bestehende Modi der Sichtbarkeit aus dem Gleichgewicht gebracht werden können.
  3. Mit dem Begriff des "Bildaktes" definieren jüngere kunsthistorische und anthropologische Ansätze das aktive Eingreifen von Bildern in die Gesellschaft. Der Begriff beschreibt die Übertragung von Macht bzw. agency auf das Bild, ein Prozess, in welchem eine Person oder ein Kollektiv einem Objekt stellvertretend Handlungsfähigkeit überträgt oder umgekehrt zum Empfänger einer Handlung macht, die sich an diejenigen richtet, die vom Objekt repräsentiert werden. Dazu gehört auch eine emotionale Komponente, durch die der Betrachter zu einer Handlung angeregt wird. Ebenso müssen Porträts oder Karikaturen berücksichtigt werden, die Personen durch die Form der Darstellung erniedrigen können. Schließlich sind ikonoklastische Handlungen dem "Bildakt" zuzuordnen, welche über die Zerstörung von Bildern ganze Gemeinschaften ins Visier nehmen.
  4. Die Verschiebung geografischer und sozialer Orte von Macht veranschaulicht häufig die Mechanismen der Produktion von Symbolen. Auch Orte des künstlerischen Schaffens berühren diese Räume der Macht oder treten in ein Spannungsverhältnis zu ihnen. Die Erforschung dieser Verschiebungen, wie der – je nach Epoche unterschiedlichen – Formen der Erfahrbarmachung von politischer Beherrschung oder des Widerstandes, sollte es ermöglichen, der Rolle der Kunst in diesen historischen Umwälzungen nachzugehen. Weitere Fragen stellen sich mit Blick auf die Orte des visuellen, akustischen oder körperlichen Ausdrucks von Macht; die sozialen, politischen, ethischen und ästhetischen Spannungsfelder der Aufteilung des Sinnlichen; die künstlerische Übersetzung von politischen und territorialen Konflikten, von Kämpfen, die in Friedenszeiten um die Festlegung von Territorien, Grenzen sowie der Benennung geografischer Räume ausgefochten wurden.

Diese vier Formen des Eingreifens der Kunst ins Politische helfen, sich vom Paradigma der "politischen Propaganda" zu lösen und an die jüngsten Tendenzen der Kunstgeschichte, der politischen Geschichte und der Anthropologie anzuknüpfen.

Bewerbungsverfahren

Der Call for Papers wird auf der Internetseite des Internationalen Netzwerkes für Kunstgeschichte (www.proartibus.net), der Université Paris Nanterre (www.parisnanterre.fr) und ihrer Stiftung (www.fondation.parisnanterre.fr), der École normale supérieure de Paris (www.ens.fr) und des INHA (www.inha.fr), des Deutschen Forums für Kunstgeschichte Paris, des Zentralinstituts für Kunstgeschichte sowie der übrigen Partner und Mitglieder des Netzwerks online gestellt. Interessierte Master-Studierende Doktorand/-innen und Post-Docs sind aufgefordert, für ihre Bewerbung eine Skizze von maximal 1800 Zeichen oder 300 Wörtern für einen 15-minütigen Vortrag sowie einen kurzen Lebenslauf einzureichen. Die Unterlagen können in Deutsch, Englisch, Französisch oder Italienisch verfasst sein. Die Bewerbung muss als Word-Dokument eingereicht werden und den Namen des Bewerbers/der Bewerberin enthalten, die Adresse (elektronisch und postalisch), die institutionelle Anbindung und das Land des Bewerbers/der Bewerberin. Alle Unterlagen reichen Sie bitte in einem Dokument als Anhang per E-Mail ein (Dateiname: Bewerbung_Vorname_Nachname_Abkürzung der Institution, Beispiel: Bewerbung_Max_Mustermann_LMU-München). In der Zeile "Betreff" geben Sie Ihren Namen und Ihr Herkunftsland an. Die E-Mail ist bis zum 16. Februar 2018 an folgende Adresse zu richten: edp2018parisnanterre@gmail.com

Die Bewerbungen werden von den Organisatoren gesammelt und gemeinsam mit den Vertretern der Länder geprüft. Die Auswahl der Teilnehmer wird von den Organisatoren und den Ländervertretern des Internationalen Netzwerkes für Kunstgeschichte vorgenommen und Anfang März 2018 bekannt gegeben.

Hinweis: In den zwei Wochen nach der Annahme der Bewerbung müssen die Teilnehmer eine Übersetzung ihrer Vortragsskizze in einer zweiten offiziellen Sprache des Internationalen Netzwerkes für Kunstgeschichte (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch) einreichen. Einen Monat vor Beginn der Frühjahrsakademie müssen die komplett ausgearbeiteten Vortragstexte und die PowerPoint-Präsentation an die Organisatoren geschickt werden. Da jeder Teilnehmer in seiner Sprache vortragen kann, ist das zumindest passive Verständnis der anderen Sprachen des Netzwerkes unabdingbar. So wird vorausgesetzt, dass die italienisch- und französischsprachigen Teilnehmer zumindest in passiver Form zusätzlich Deutsch oder Englisch verstehen, die anglophonen und germanophonen Teilnehmer müssen zumindest in passiver Form zusätzlich Französisch oder Italienisch beherrschen. 

Bewerbung zur Teilnahme als Diskutant

Studierende, die bereits an zwei vergangenen Frühjahrsakademien teilgenommen haben, können sich lediglich als Diskutanten bewerben. Außerdem können sich junge Wissenschaftler/-innen, Doktorand/-innen und Post-Docs, deren Forschungen bereits weit fortgeschritten sind, auf diese Weise ebenfalls an der Frühjahrsakademie beteiligen. Aufgabe der Diskutanten ist es, am Ende der Sitzungen die Diskussionen zu beleben, durch alternative Erklärungen zu bereichern und vor dem Hintergrund ihrer eigenen Forschungen neue Perspektiven aufzuzeigen.

Interessierte, die an der Frühjahrsakademie als Diskutanten teilnehmen möchten, werden gebeten, den Organisatoren (edp2018parisnanterre@gmail.com) bis zum 16. Februar 2018 ihren Lebenslauf und ein kurzes Motivationsschreiben zu senden, das ihre Kompetenzen in Bezug auf die Fragestellung der Frühjahrsakademie und ihrer Sektionen herausstellt. Das Motivationsschreiben darf 1800 Zeichen oder 300 Wörter nicht überschreiten und kann in Deutsch, Englisch, Französisch oder Italienisch verfasst sein. Die Bewerbung muss als Word-Dokument eingereicht werden und den Namen des Bewerbers/der Bewerberin, die Adresse (elektronisch und postalisch), die Institution und das Herkunftsland enthalten. Die Bewerbungsunterlagen reichen Sie bitte als ein Dokument im Anhang einer E-Mail ein (Dateiname: Bewerbung_Vorname_Nachname_Abkürzung der Institution, Beispiel: Bewerbung_Max_Mustermann_LMU-München). In der Zeile "Betreff" geben Sie Ihren Namen und Ihr Herkunftsland an. 

Vortragsvorschläge (Professoren)

Die Professoren/-innen des Netzwerkes können, wie jedes Jahr, einen eigenen Vortrag vorschlagen, eine Sitzung leiten oder sich als Diskutant beteiligen. Diejenigen, die sich aktiv am Programm beteiligen möchten, werden gebeten, dies dem Organisationskomitee vor dem 16. Februar per E-Mail mitzuteilen (edp2018parisnanterre@gmail.com). 

Die nationalen Ansprechpartner

  • Frankreich: Frédérique Desbuissons (Université de Reims), Elitza Dulguerova (Paris, INHA), Béatrice Joyeux-Prunel (École normale supérieure de Paris), Anne Lafont (EHESS), Christian Joschke und Ségolène Le Men (Université Paris Nanterre);
  • Deutschland: Thomas Kirchner (Deutsches Forum für Kunstgeschichte Paris), Michael F. Zimmermann (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) und Iris Lauterbach (Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München);
  • Italien: Marco Collareta (Università degli Studi di Pisa) und Maria Grazia Messina (Università degli Studi di Firenze);
  • Japan: Atsushi Miura (Universität Tokyo) und Noriko Yoshida (Universität Chuo);
  • Kanada: Johanne Lamoureux (Université de Montréal);
  • Schweiz: Jan Blanc (Université de Genève);
  • Vereinigte Staaten: Todd Porterfield (New York University), Bronwen Wilson (UCLA) und Henri Zerner (Harvard University). 

Das Organisationskomitee

Université Paris Nanterre, HAR EA 4414
Christian Joschke und Émilie Malouvier
E-Mail: edp2018parisnanterre@gmail.com

Organisiert durch

das Internationale Netzwerk für Kunstgeschichte (www.proartibus.net) und die Université Paris Nanterre.

Orte

  • Nanterre, Frankreich (92)

Daten

  • Freitag, 16. Februar 2018

Anhänge

Schlüsselwörter

  • art, politique

Kontakt

  • Christian Joschke
    courriel : edp2018parisnanterre [at] gmail [dot] com
  • Emilie Malouvier
    courriel : edp2018parisnanterre [at] gmail [dot] com

Informationsquelle

  • Léonard Pouy
    courriel : leonard [dot] pouy [at] vancleefarpels [dot] com

Zitierhinweise

« Kunst und Politik », Thematische Schule, Calenda, Veröffentlicht am Dienstag, 30. Januar 2018, https://calenda.org/430846

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