Startseite"Transfuge“, Transfer, Übersetzung: die Rezeption Didier Eribons im deutschsprachigen Raum

"Transfuge“, Transfer, Übersetzung: die Rezeption Didier Eribons im deutschsprachigen Raum

Transfuge, transfert, traduction : la réception de Didier Eribon dans les pays germanophones

Defection, transposition and translation: the reception of Didier Eribon in German-speaking countries

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Veröffentlicht am Freitag, 05. Juli 2019 bei Anastasia Giardinelli

Zusammenfassung

Seit seiner Übersetzung durch Tobias Haberkorn 2016, sieben Jahre nach der französischen Erstausgabe, avancierte Rückkehr nach Reims zum Bestseller auf dem deutschsprachigen Markt mit 90 000 verkauften Exemplaren innerhalb nur eines Jahres. Thomas Ostermeiers Theateradaption des Textes auf Englisch, Deutsch und Französisch seit Juli 2017 ist ein Höhepunkt dieser ungewöhnlichen Rezeption, die uns gleichzeitig auch Schlüssel zum Werk selbst liefert. Denn die Rezeption des Textes und seines Autors stehen geradezu beispielhaft für die Prinzipien des Kulturtransfers. Ein weiteres zentrales Element der Rezeption von Retour à Reims im deutschsprachigen Raum ist die Auslegung der Eribonschen Thesen, mit denen sich u.a. die Wahlerfolge der AFD, insbes. in der ehemaligen DDR, und die rechtspopulistischen Strömungen in Europa allgemein erklären lassen könnten.Dieses Kolloquium widmet sich der scheinbar extremen Transferierbarkeit des Eribonschen Textes, die eventuelle geschichtliche und politische Missverständnisse riskiert. Das Hauptaugenmerk wird dabei auf den Kulturtransfer Frankreich-Deutschland bzw. Frankreich-Österreich gelegt. 

Inserat

Internationale TagungUniversität Nantes19. – 21. November 2020

Präsentation

Seit seiner Übersetzung durch Tobias Haberkorn 2016, sieben Jahre nach der französischen Erstausgabe, avancierte Rückkehr nach Reims zum Bestseller auf dem deutschsprachigen Markt mit 90 000 verkauften Exemplaren innerhalb nur eines Jahres. Auch die Interviews mit Didier Eribon in der deutschsprachigen Presse sowie die Vorträge und Diskussionen in Deutschland und Österreich sind mittlerweile Legion. Thomas Ostermeiers Theateradaption des Textes auf Englisch, Deutsch und Französisch seit Juli 2017 ist ein Höhepunkt dieser ungewöhnlichen Rezeption, die uns gleichzeitig auch Schlüssel zum Werk selbst liefert.Denn die Rezeption des Textes und seines Autors stehen geradezu beispielhaft für die Prinzipien des Kulturtransfers. Ostermeiers Returning to Reims/Rückkehr nach Reims/Retour à Reims kann als Reflexion der Übertragungsmechanismen selbst gelesen werden, so sehr scheint diese Adaption die Formen des Vergleichs sowie der Übertragungs- und Aneignungsprozesse an sich zu hinterfragen. Ostermeiers Bearbeitung wirft die Frage nach einer « Übersetzung » des Eribonschen Textes in andere Medien wie Theater oder Film auf, seine Anpassung an andere nationale Kontexte und seine Ausweitung der Hinterfragung der « sozialen Klasse » auf die Bereiche « Gender » und « Race ». Sie zeigt schließlich auch, dass der Text Eribons als « Vektor und Ressource von Identifikationsmöglichkeiten »  fungiert, indem er mit der persönlichen Geschichte des/der jeweiligen Protagonisten/in oder Schauspielers/in kurzgeschlossen werden kann.Ein weiteres zentrales Element der Rezeption von Retour à Reims im deutschsprachigen Raum ist die Auslegung der Eribonschen Thesen, mit denen sich u.a. die Wahlerfolge der AFD, insbes. in der ehemaligen DDR, und die rechtspopulistischen Strömungen in Europa allgemein erklären lassen könnten.Dieses Kolloquium widmet sich der scheinbar extremen Transferierbarkeit des Eribonschen Textes, die eventuelle geschichtliche und politische Missverständnisse riskiert. Das Hauptaugenmerk wird dabei auf den Kulturtransfer Frankreich-Deutschland bzw. Frankreich-Österreich gelegt. Selbst wenn der Text Retour à Reims den Eintritt Eribons ins deutschsprachige mediale Feld einläutet, so kann weiter auch über die Rezeption Eribons als Intellektueller und der « Theoriebildung » seiner Texte, vermittelt über den deutschsprachigen Raum oder andere Länder, nachgedacht werden.Diese fast perfekte Voraussetzung zum Transfer liegt wohl auch an der mehrdeutigen Genrezuschreibung von Retour à Reims zwischen Autobiographie, Autosoziobiographie, Autoanalyse, zwischen soziologischer und politischer Studie. Dieser Stil des « Dazwischen », der die Mehrheit der Eribonschen Texte auszeichnet, kann als eines der Charakteristika der « Theorie » gelesen werden – einer spezifischen Form des Wissens, die sich deutlich von der akademischen Disziplin der Soziologie oder Philosophie abhebt. Philipp Felsch  versuchte, die Geschichte der Theorie nachzuzeichnen und hat dabei eine besondere Lesart ausgemacht, eine Form der « emphatischen » Lektüre, die die Verbreitung der Texte, ihren intensiven Gebrauch, eine existentielle Projektion, begünstigt. Auch die These Carlos Spoerhases kann aus dieser Perspektive heraus analysiert werden: Er nimmt auf die Terminologie von Chantal Jaquet Bezug und sieht im « transclasse » die paradigmatische Figur des Intellektuellen und insbes. des Intellektuellen und Übersetzers, der uns den Zugang zu einem « uns fremden Teil der Gesellschaft » ermöglicht.Ist nun in der deutschsprachigen Rezeption von Didier Eribon weniger ein « kulturelles Missverständnis » als vielmehr ein paralleles Phänomen dessen zu sehen, was François Cusset, ausgehend vom französischen Poststrukturalismus, als Prozess einer Theoriebildung, die über das Ausland läuft, ausgemacht hat?

Folgende Themenbereiche könnten in den Beiträgen behandelt werden

  • die Situierung Eribons im wissenschaftlichen und medialen Feld Frankreichs als möglicher Ausgangspunkt des Transfers;
  • der jeweilige historische und politische Kontext der Eribon-Rezeption im deutschsprachigen Raum;
  • Beziehungen verschiedener Rezeptionsfelder untereinander oder vergleichende Analysen, die die Rezeptionsmechanismen erläutern könnten;
  • die Publikationsgeschichte der Texte Eribons im deutschen und österreichischen literarischen Feld ; ihre Herausgabe bei Suhrkamp bzw. Turia+Kant;
  • Hindernisse und verlegerische Strategien- Übersetzungsgeschichte und – analyse der Texte; deren Rolle bei der Entstehung theoretischer Konzepte im medialen, literarischen, künstlerischen und universitären Feld der deutschsprachigen Länder;
  • die Rezeption der Texte und politischer Stellungnahmen Eribons in der deutschsprachigen Presse;
  • die Formen der Interviews;
  • die Formen der Nutzung des medialen Feldes durch Eribon ;
  • Analyse und Rezeption der Bühnenadaption Ostermeiers;
  • künstlerische und kreative Rezeptionsformen von Retour à Reims im deutschsprachigen Feld (Ulli Gladik, Thomas Jonigk, Ivette Löcker …);
  • Die Rezeption Eribons im universitären Feld;
  • Rezeption des Begriffs « transfuge de classe » im deutschsprachigen Raum;
  • Retour à Reims in den neuen Bundesländern.

Einreichung

Bitte richten Sie Ihren Vorschlag (ca. 300 Worte) auf Deutsch, Französisch oder Englisch sowie eine kurze bio-bibliografische Angabe bis 30. November 2019 an : 

  • Elisabeth.Kargl@univ-nantes.fr 
  • Benedicte.Terrisse@univ-nantes.fr

Wissenschaftliches Komitee

  • Bernard Banoun, Pr., Paris (études germaniques)
  • Maren Butte, Dr., Düsseldorf (science des médias)
  • Corinne Delmas, Pr., Nantes (sociologie)
  • Yasmin Hoffmann, Pr., Montpellier (études germaniques)
  • Nicole Kandioler, Dr., Wien, (études filmiques et science des médias)
  • Georges Letissier, Pr., Nantes (études anglaises)
  • Christoph Reinprecht, Pr., Wien (sociologie)

Orte

  • Université de Nantes, Faculté des Langues et Cultures Etrangères, Chemin de la Censive du Tertre BP 81227 44312 Nantes Cedex 3
    Nantes, Frankreich (44)

Daten

  • Samstag, 30. November 2019

Schlüsselwörter

  • Transfert culturel, Eribon, Allemagne, Autriche, Ostermeier, malentendu, théorie

Kontakt

  • Bénédicte Terrisse
    courriel : benedicte [dot] terrisse [at] univ-nantes [dot] fr

Informationsquelle

  • Bénédicte Terrisse
    courriel : benedicte [dot] terrisse [at] univ-nantes [dot] fr

Zitierhinweise

« "Transfuge“, Transfer, Übersetzung: die Rezeption Didier Eribons im deutschsprachigen Raum », Beitragsaufruf, Calenda, Veröffentlicht am Freitag, 05. Juli 2019, https://calenda.org/646982

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